Auf Flohmärkten und Kleinanzeigenportalen tauchen sie regelmäßig auf: vergilbte Super Nintendos, PlayStations mit knarzendem Laufwerk, Dreamcasts mit Speicherkarten, deren Batterie seit Jahren leer ist. Was vor zwanzig Jahren für zehn Euro auf dem Grabbeltisch lag, kostet heute je nach Zustand dreistellig. Retro-Gaming ist aus der Nische zum Sammlermarkt geworden, und wer einsteigen will, sollte wissen, welche Geräte technisch noch Freude machen und welche vor allem als Deko taugen.
Wir haben uns durch die eigenen Regale und einige Sammlerforen gearbeitet. Wer lieber mit einem alten Tablet spielt, findet in unserem Rückblick auf das Original-iPad als Gaming-Urgestein die mobile Seite derselben Nostalgie.
Die 16-Bit-Generation: SNES und Mega Drive
Das Super Nintendo Entertainment System und der Sega Mega Drive sind die Einstiegsdrogen des Retro-Sammelns. Beide Konsolen sind robust gebaut, verwenden Module statt Discs und laufen nach dreißig Jahren meist ohne Reparatur. Das Problem ist der Anschluss: Beide liefern Bild über Composite oder RGB, was an modernen Fernsehern matschig aussieht oder gar nicht funktioniert. Ein Upscaler wie der RetroTINK oder ein OSSC löst das, kostet aber schnell so viel wie die Konsole selbst. Die Spiele sind der zweite Kostenfaktor: Ein Super Metroid oder Chrono Trigger als Modul liegt heute im hohen zweistelligen bis dreistelligen Bereich, und Fälschungen sind auf den großen Marktplätzen häufig. Die Redaktion von Videospielgeschichten hat die Geschichte beider Systeme in ausführlichen Beiträgen aufgearbeitet, inklusive der Frage, welche Regionalversionen sich unterscheiden.
Die Disc-Ära: PlayStation, Saturn, Dreamcast
Mit den CD-Konsolen der Neunziger beginnen die technischen Probleme. Laser altern, Laufwerke lesen gebrannte oder verkratzte Discs nicht mehr, und die Speicherbatterien der Dreamcast-VMUs sind ausnahmslos leer. Die erste PlayStation ist trotzdem ein guter Kauf, weil Ersatzlaser günstig und der Umbau einfach ist. Der Sega Saturn ist teurer, technisch anspruchsvoller und hat eine kleinere, aber sehr treue Fangemeinde, vor allem für japanische Shooter und 2D-Prügelspiele. Die Dreamcast, Segas letzte Konsole, gilt vielen als die interessanteste der Ära: kurze Lebenszeit, starke Bibliothek, aktive Homebrew-Szene bis heute.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Zustand des Gehäuses: Vergilbung ist kosmetisch, Risse und fehlende Klappen sind es nicht.
- Originalnetzteil: Fremdnetzteile mit falscher Spannung haben mehr Konsolen zerstört als alle Kinderzimmer zusammen.
- Bei Disc-Konsolen: Ein Verkäufer, der ein Foto vom laufenden Spiel zeigt, ist mehr wert als jede Beschreibung.
- Controller: Originale sind teuer, gute Nachbauten selten. Ausprobieren, ob die Sticks driften.
- Regionalcode prüfen: Japanische Konsolen laufen mit deutschen Spielen nur nach Umbau.
Nachbau oder Original?
Nintendo, Sega und Sony haben in den vergangenen Jahren Mini-Versionen ihrer Klassiker mit vorinstallierten Spielen verkauft, dazu kommen FPGA-Konsolen wie der Analogue Pocket, die die Originalhardware nachbilden und HDMI ausgeben. Für alle, die einfach spielen wollen, sind diese Geräte die bessere Wahl: kein Umbau, kein Upscaler, keine sterbenden Laser. Für Sammler ersetzen sie nichts. Der Reiz liegt im Modul, das klickt, in der Konsole, die brummt, und in dem Wissen, dass genau dieses Gerät 1994 in irgendeinem Kinderzimmer stand. Aktuelle Preise und Marktentwicklungen für Retro-Hardware verfolgt GIGA in regelmäßigen Übersichten.
Fazit: Mit der SNES anfangen, mit der Dreamcast aufhören
Wer einsteigt, sollte mit einer 16-Bit-Konsole beginnen. Sie ist robust, günstig zu reparieren und die Spiele funktionieren zuverlässig. Die Disc-Konsolen kommen später, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Und wer am Ende feststellt, dass er mehr Zeit mit Reparieren als mit Spielen verbringt, hat immer noch die Mini-Konsole als Ausweg. Sammeln und Spielen sind zwei verschiedene Hobbys. Es hilft, sich früh zu entscheiden, welches man betreibt.
