Es gibt einen Moment, den jeder Mobile-Gamer kennt: Das Spiel läuft gerade richtig gut, die Akkuanzeige springt auf Rot, und das Ladekabel liegt im anderen Zimmer. Moderne Spiele treiben Prozessor, Grafikeinheit und Display gleichzeitig an die Grenze, und selbst ein großer Akku mit 5.000 Milliamperestunden hält unter Volllast oft keine drei Stunden. Die gute Nachricht: Ein großer Teil des Verbrauchs entsteht durch Einstellungen, die sich in zwei Minuten ändern lassen.
Wir haben die wichtigsten Stellschrauben zusammengetragen und auf aktuellen Android-Geräten und iPhones geprüft. Wie sich ältere Geräte beim Spielen schlagen, haben wir in unserem Rückblick auf das iPhone 4 als Retro-Gaming-Gerät beschrieben. Dort war der Akku noch das kleinste Problem.
Das Display ist der größte Verbraucher
Bei Spielen entfällt der größte Anteil des Stromverbrauchs auf das Display, nicht auf den Prozessor. Zwei Einstellungen wirken sofort: die Helligkeit und die Bildwiederholrate. Viele Geräte laufen standardmäßig mit 120 Hertz, was bei Shootern und Rennspielen flüssiger wirkt, bei Puzzle- oder Aufbauspielen aber keinen Unterschied macht. Wer die Rate auf 60 Hertz stellt, gewinnt je nach Gerät zwischen 15 und 30 Prozent Laufzeit. Bei OLED-Displays hilft zusätzlich der Dunkelmodus im Spiel, weil schwarze Pixel dort tatsächlich abgeschaltet sind. Das Fachportal inside digital misst in seinen Gerätetests regelmäßig, wie stark die Laufzeit mit der Bildwiederholrate schwankt.
Was im Hintergrund läuft, kostet mit
Ein Spiel im Vordergrund ist selten allein. Messenger synchronisieren, Cloud-Dienste laden Fotos hoch, Wetter-Apps holen Standortdaten. Jede dieser Aktionen weckt Funkmodule und Prozessorkerne. Android bietet dafür den Spielemodus, der Benachrichtigungen unterdrückt und Hintergrundaktivität drosselt, bei Samsung heißt er Game Booster, bei Xiaomi Game Turbo. Auf dem iPhone übernimmt der Fokus-Modus einen Teil dieser Aufgabe. Wer WLAN statt Mobilfunk nutzt, spart ebenfalls, weil das Mobilfunkmodul bei schwachem Empfang zu den größten Stromfressern gehört.
Sechs Einstellungen mit sofortiger Wirkung
- Bildwiederholrate auf 60 Hertz: in den Display-Einstellungen oder direkt im Spiel, wenn es die Option bietet.
- Grafikstufe im Spiel eine Stufe runter: Schatten und Partikeleffekte kosten viel und fallen auf dem kleinen Bildschirm kaum auf.
- Automatische Helligkeit aus und manuell auf etwa 50 bis 60 Prozent stellen. Die Automatik regelt bei Spielen oft zu hell.
- Vibration und haptisches Feedback aus: kleiner Effekt, aber über eine Stunde messbar.
- Bluetooth nur einschalten, wenn tatsächlich Kopfhörer oder Controller verbunden sind.
- 5G bei schlechtem Empfang deaktivieren: Das Gerät sucht sonst dauernd nach dem besseren Netz.
Laden während des Spielens: Ja, aber richtig
Spielen am Kabel ist kein Problem für den Akku, solange das Gerät nicht heiß wird. Hitze ist der eigentliche Feind der Lithium-Ionen-Zelle, nicht der Ladevorgang. Wer am Netzteil spielt, sollte deshalb die Hülle abnehmen und das Gerät nicht auf Decken oder Kissen legen. Schnellladen mit 45 oder 65 Watt während einer Spielsession erzeugt zusätzliche Wärme und lässt sich in den Einstellungen vieler Geräte auf langsameres Laden begrenzen. Der Akkuschutz, der bei 80 Prozent stoppt, verlängert die Lebensdauer der Zelle spürbar, wie CHIP in Langzeittests dokumentiert hat. Für den täglichen Gebrauch reicht das in fast allen Fällen aus.
Mythen, die Sie vergessen können
Apps manuell zu schließen spart keinen Strom, im Gegenteil: Das Neustarten kostet mehr, als die eingefrorene App im Speicher verbraucht. Der Akku muss auch nicht regelmäßig komplett entladen werden, das war bei Nickel-Akkus so, bei Lithium-Ionen ist es schädlich. Und die Akkusparfunktion des Systems dauerhaft einzuschalten, drosselt den Prozessor so stark, dass anspruchsvolle Spiele ruckeln. Sie ist für den Notfall gedacht, nicht für den Spielabend.
Fazit: Zwei Einstellungen reichen meistens
Wer nur eine Sache ändert, sollte die Bildwiederholrate senken. Wer zwei ändert, nimmt die Grafikstufe dazu. Alles Weitere sind Prozentpunkte, die sich über einen Abend addieren, aber keine Wunder bewirken. Ein Smartphone bleibt ein Kompromiss zwischen Leistung und Laufzeit, und wer regelmäßig lange spielt, kommt um eine Powerbank nicht herum. Eine mit 10.000 Milliamperestunden reicht für zwei volle Ladungen und wiegt weniger als ein Taschenbuch.
